Hintergrund

Software als Ursache für kurzlebige Gerätenutzung

Der technologische Fortschritt und die Digitalisierung des Alltags sorgen auf der einen Seite für Annehmlichkeiten und Erleichterungen sowie wirtschaftlichen Erfolg der einschlägigen Unternehmen, auf der anderen Seite für eine erhebliche Umweltbelastung. Dabei spielt zunehmend auch die Software von unseren zahlreichen Geräten eine wichtige Rolle: Wie lange ist welches Update noch verfügbar und wann entspricht die Software nicht mehr den gewünschten technischen Anforderungen?

Software codes on a computer screen
Photo by Shahadat Rahman on Unsplash

Software als Ursache für kurzlebige Geräte?

In unseren Schubladen und Aufbewahrungsboxen sammeln sich Walkmans und MP3-Player aus alten Zeiten, Mobiltelefone und Digitalkameras sowie neuere Smart Speaker und Wearables. Video-Streaming und Online-Meetings sind - auch durch die pandemiebedingten Lockdowns - aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und damit auch die Vielzahl an technischen Voraussetzungen: Clouds, Apps und hohe Datenübertragungsgeschwindigkeiten sowie die ständige Konnektivität von Menschen und Dingen. Bei der Betrachtung der technologischen Entwicklung fällt auf, dass Software einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Somit wird aber auch die Produktlebensdauer nicht mehr nur durch beschädigte Teile wie z.B. ein kaputtes Display bestimmt, sondern immer häufiger ist Software die Ursache für kurzlebige Geräte [1] . Die Forschung liefert hier erste Erkenntnisse zu den Ursachen. Sie zeigt, dass Software vor allem durch mangelnde Kompatibilität mit anderen Geräten, sinkende Sicherheit vor Angriffen oder abnehmende Funktionalität die Geräte unbrauchbar macht. So kann ein Mobiltelefon äußerlich gänzlich unbeschädigt sein und dennoch nicht mehr funktionieren, wenn es beispielsweise keine Updates mehr gibt.

Softwareobsoleszenz

Die Softwareabhängigkeit bewirkt bei vielen Produkten einen vorzeitigen Funktionsverlust, indem die technische Nutzbarkeit der Software verloren geht oder der subjektive Nutzen des Gerätes aus Sicht der*des Nutzer*in nicht mehr gegeben ist. Ein Beispiel für Softwareobsoleszenz ist der Fall, wenn z.B. ein Smartphone-Hersteller den Software-Support für ein Gerät aufkündigt. Damit zwingt er Nutzer*innen zum Upgrade oder zum Wechsel auf ein neues System oder notfalls auch zu einem Wechsel der Hardware.

Über Abhängigkeiten und Cloud-Dienste

Ein weiterer Grund für Softwareobsoleszenz ist die immer öfter benötigte Internetanbindung und zunehmende Abhängigkeit der Geräte z.B. von einem Cloud-Dienst oder von Updates. Für die Produktion von Geräten mit eingebetteten Kommunikationsmodulen (z.B. WLAN, Bluetooth, NFC, etc.) wird ein jährliches Wachstum von über 60% vorhergesagt [2] . Erste Umfragen zeigen, dass 30% der Nutzer*innen aufgrund von Softwareproblemen bereits ein elektronisches Gerät ausgetauscht haben [3] . Diese zunehmende Relevanz macht es umso wichtiger, dass Software langlebiger gestaltet werden muss und Hersteller zu einem längeren Support verpflichtet werden. Obwohl die Wissenschaft hier erste Ursachen identifizieren konnte, ist das Problem „Softwareobsoleszenz“ aufgrund der Vielfalt und Komplexität noch nicht vollständig erfasst und benötigt weitere Forschung.

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Literatur/Quellen

[1] Jager-Erben und Hipp (2017) Letzter Schrei oder langer Atem? Erwartungen und Erfahrungen im Kontext von Langlebigkeit bei Elektronikgeräten. Nachwuchsgruppe Obsoleszenz (Hrsg., 2017). OHA-Texte 1/2017.

[2] Ferreboeuf et al. (2019). Lean ICT: Towards digital sobriety. report for the Shift Project, Paris, March.

[3] Jaeger-Erben (2020): Bought today, gone tomorrow? From linear to circular consumption. Erschienen in: The Routledge Handbook of Waste, Resources and the Circular Economy.

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