Hintergrund

Fehlendes Wissen über Technikpflege & Reparatur

Das Reparieren von Technikgeräten ist für viele Menschen keine Option, auch wenn eine lange Nutzung eigentlich gewünscht ist. Woran das liegt, haben wir in unserer umfangreichen Studie über die Langlebigkeit bei Elektronikgeräten erfragt. Das Resultat: nur knapp 20% der Befragten gaben an, dass sie schon einmal versucht haben ihr kaputtes Technikprodukt selbst zu reparieren.

Crashed Smartphone
Photo by Hardik Sharma on Unsplash

Die vielen Hürden des Selber-Reparierens

Die Teilnehmer*innen der Studie, denen ein Gerät kaputtgegangen ist, wurden gefragt, ob sie versucht haben, das defekte Gerät zu reparieren oder es reparieren zu lassen. Diese Frage haben 59 % verneint, 17 % haben versucht, es selbst zu reparieren. Dies ist rund 30 % in dieser Gruppe auch gelungen ist, die restlichen 70 % der Eigenreparierer waren erfolglos. Rund ein Viertel hat versucht, das Gerät reparieren zu lassen, in zwei Dritteln der Fälle konnten die Geräte aber nicht repariert werden. Das Gerät, das am ehesten repariert werden konnte, ist der Desktop Computer (Reparaturquote von 65 %), gefolgt von Notebooks (60 %), bei allen anderen Geräten liegt die Quote bei unter 50 %, am geringsten ist sie bei Kühlschränken (25 %). Am häufigsten wird der Versuch der Eigenreparatur bei Smartphones, Desktop Computern (jeweils 15 % aller Eigenreparaturen) und Druckern (25 %) gemacht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Reparaturquote (Anzahl angegebener Reparaturversuche im Verhältnis zu Nicht-Reparaturen) (eigene Abbildung)

Der häufigste Grund, warum nicht repariert wird: "Es lohnt sich nicht"

Die Personen, die ihr Gerät nicht haben reparieren lassen, konnten aus einer Liste auswählen, welche Gründe hierfür vorlagen. Insgesamt am häufigsten wird dabei angegeben, dass es sich aufgrund der Erwartung einer kurzen verbleibenden Lebensdauer nicht lohnen würde, das Gerät zu reparieren und dass die Reparatur zu teuer gewesen wäre (Abbildung 2). Während in über der Hälfte der Fälle eher ökonomische Erwägungen angeführt werden, ist bei einem Viertel der Befragten auch der Wunsch nach etwas Neuem ein Hinderungsgrund für eine Reparatur. Einem weiteren Viertel passt die Reparatur nicht in den Alltag: 17 % haben keine Zeit, 7 % können auf das Gerät nicht verzichten. Verfügbarkeits- oder Zugangshindernisse sind bei einem weiteren Viertel Hinderungsgründe: Die Ersatzteile sind zu teuer oder nicht verfügbar oder die Befragten wissen schlicht nicht, wo sie ihr Gerät reparieren lassen können. Vergleicht man die Geräte im Einzelnen, ist eine zu teure Reparatur der häufigste Hinderungsgrund, einzige Ausnahme ist der Desktop Computer.

 

Abbildung 2: Was waren die Gründe, weshalb Sie das Gerät nicht repariert haben? (n=1.033 der Personen, die ein defektes Gerät angegeben hatten) (eigene Abbidlung)

Wissen zu Reparaturkosten fehlt

Woher wissen die Befragten, dass eine Reparatur sich aus Kostengründen nicht lohnt? Gefragt, ob sie sich einen Kostenvoranschlag für die Reparatur haben erstellen stellen, antworten 63 % derjenigen, denen eine Reparatur zu teuer war mit „nein“. Möglicherweise handelt es sich also eher um ein Vorurteil oder eine Vermutung, dass Reparatur sich nicht lohnt. Eine statistische Analyse der Zusammenhänge zwischen den oben genannten Gründen zeigt, dass Personen, die zu hohe Kosten als Grund für die Nicht-Reparatur angegeben haben, signifikant häufig auch angeben, dass eine Reparatur zu viel Aufwand bedeutet und sie keine Zeit dafür hätten und sie glauben, dass das Gerät nicht reparierbar sei und das Gerät nicht mehr so lange halten würde. Sie geben auch oft gleichzeitig an, dass sie sich sowieso etwas Neues kaufen wollten. Hier scheint es also eine Gemengelage sich gegenseitig stärkender Beweggründe zu geben.

Wissen über die richtige Pflege & Wartung von Elektronikgeräten fehlt

Durch unsere Studie haben wir herausgefunden, dass Haltbarkeit, Robustheit und Zuverlässigkeit nach Angaben der Umfrageteilnehmenden zufolge wichtige Produkteigenschaften beim Einkauf sind. Aber was tragen Konsument*innen bei der Nutzung der Geräte selbst dazu bei, dass diese länger halten? Welche Pflege- und Wartungstätigkeiten kennzeichnen ihre Nutzungspraxis? Abbildung 5 zeigt die häufigsten Nennungen für die beiden untersuchten Produktkategorien.

Abbildung 3: Was machen Sie bzw. andere Mitglieder Ihres Haushalts, damit Ihre Waschmaschine/Ihr Smartphone lange hält bzw. um die Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten? (Eigene Abbildung)

Auffällig ist, dass nur ca. die Hälfte der Befragten hier eine Antwort formuliert und hiervon 11 % bei Waschmaschinen und 16 % bei den Smartphones angeben, dass sie nichts für Pflege und Wartung unternehmen. Reinigung bzw. Schutz vor Verschmutzung ist bei beiden Geräten die zentrale Pflegepraktik gefolgt von sorgsamer bzw. schonender Nutzung. Da der Akku bei Smartphones in vielen Fällen eine zentrale Ursache für eine kürzere Nutzungs- und Lebensdauer ist und die Befragten (s.o.) gleichzeitig einer langen Akkulaufzeit eine bedeutende Rolle zusprechen, kann ein tiefergehender Blick in die Behandlung des Akkus bei der Nutzung interessant sein.

Innerhalb der Kategorie „Schonender Umgang mit Akkus“ – immerhin die zweitwichtigste Praktik zur Förderung der Haltbarkeit – finden sich jedoch sehr unterschiedliche Antworten. So geben 6 % an, dass sie den Akku immer komplett entleeren vor dem Aufladen bzw. ihn immer vollständig aufladen und weitere 6 % pflegen ihren Akku, indem sie ihn nicht zu häufig laden. Etwas weniger Personen (4 %) geben hingegen an, dass sie den Akku gerade nicht komplett entleeren bzw. nicht über- oder nur teilweise aufladen. Es scheint also sehr unterschiedliche bzw. konträre Auffassungen darüber zu geben, welche Ladepraktiken für Smartphones adäquat sind, um die Haltbarkeit des Gerätes zu verlängern.

Da die Ladepraktiken tatsächlich einen Einfluss auf die Haltbarkeit des Akkus haben, wurde danach gefragt, welche Form der Aufladung die Befragten am förderlichsten im Sinne der Langlebigkeit halten.

Abbildung 4: Was meinen Sie, wie sollte man einen Lithium-Ionen-Akku, der meistens in Mobiltelefonen eingebaut ist, laden, damit der Akku möglichst lange hält? (Eigene Abbildung)

Hier zeigt sich, dass ca. 40 % die schonendste Ladepraxis – den Akku nicht gänzlich zu be- und entladen – kennen, während ein Drittel glaubt, dass vollständige Be- und Entladung richtig ist – was den Akku dauerhaft aber eher strapaziert. 16 % der Befragten ist nicht klar, dass ihr Ladeverhalten auf die Haltbarkeit des Akkus – und damit im Falle von fest verbauten Akkus auch die Langlebigkeit des gesamten Geräts – eine Auswirkung hat.

Konträr zur eigenen Wahrnehmung?

Da in beiden Produktkategorien nur rund die Hälfte der Befragten überhaupt Angaben zur praktizierten Pflege und Wartung machen, scheint das Wissen hierüber generell begrenzt zu sein. Wie sehen dies die Teilnehmer*innen selbst? Eine Bewertung der eigenen Kenntnisse bezogen auf verschiedene Aspekte der Gerätenutzung und -beschaffung zeigt, dass rund die Hälfte ihr Wissen über Möglichkeiten der Wartung und rund 65 % ihr Wissen über Pflege von Elektro(nik)produkten als eher gut einschätzen. Das Wissen über den Aufbau und die Produktionsbedingungen von Geräten wird deutlich seltener als eher hoch eingeschätzt. Am kompetentesten fühlen sich die Befragten im Hinblick auf die fachgerechte Entsorgung des Geräts, am wenigsten kompetent, wenn es um die Eigenreparatur geht. Auch zu den Möglichkeiten der Aufrüstung von Geräten – als einem weiteren Faktor zur Erhöhung der Langlebigkeit – schätzt nur ein gutes Drittel das eigene Wissen als eher hoch ein.

Abbildung 5: Wie schätzen Sie Ihre eigenen Kenntnisse bezüglich der folgenden Aspekte im Umgang mit elektronischen Geräten ein? (Eigene Abbildung)

Dass die Selbsteinschätzung des eigenen Wissens sich jedoch auch auf Handlungsweisen beziehen können, die nicht unbedingt förderlich für das Gerät sind, zeigt sich bei der zuvor beschriebenen Frage nach dem Ladeverhalten. Insgesamt kann ein deutliches Lernpotential angenommen werden, was sich auch aus den Angaben zu dem erwünschten Wissen bzw. erwünschten Informationen ergibt. Die große Mehrheit wünscht sich, mehr darüber zu wissen, wie man bei der Produktwahl auf Langlebigkeit achten kann, wie ein Produkt richtig gepflegt wird sowie Informationen zu Reparaturmöglichkeiten – auch denen zur Eigenreparatur.

Die komplette Studie (2017)

Letzter Schrei oder langer Atem? Erwartungen und Erfahrungen im Kontext von Langlebigkeit bei Elektronikgeräten.

Deskriptive Auswertung einer repräsentativen Online- Befragung in Deutschland in 2017 der Nachwuchsgruppe Obsoleszenz zu den Erwartungen und Erfahrungen im Kontext von Langlebigkeit bei Elektronikgeräten. Welche Erwartungen haben Konsumentinnen und Konsumenten an die Nutzungs- und Lebensdauern von alltäglich genutzten Elektronikgeräten wie Smartphones und Waschmaschinen? Welche Rolle spielen langlebigkeitsrelevante Kriterien beim Kauf der Geräte? Wie fördern Konsumentinnen und Konsumenten die Langlebigkeit von Produkten bei der Nutzung, zum Beispiel durch adäquate Pflege und Wartung?

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